Bundespolizisten sollen sich in Bewerbungsgesprächen bewaffnen

Nach einem Vorfall bei einem Bewerbungsgespräch in Niedersachsen zieht die Bundespolizei Konsequenzen. Künftig gelten nach Informationen des SPIEGEL erhöhte Sicherheitsmaßnahmen.

 

Beamte der Bundespolizei

 
 
 

Vor wenigen Wochen stellte sich bei der Bundespolizei ein junger Mann vor, der angeblich Polizist werden wollte. In seinem Auswahlverfahren im niedersächsischen Walsrode fiel er nach Informationen des SPIEGEL mit kruden Ansichten auf; inhaftierte Dschihadisten pries er als Märtyrer. Eine Überprüfung ergab, dass er bereits wegen Körperverletzung aufgefallen war.

Ein Begleiter gab sich als Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes aus und soll einen gefälschten Dienstausweis vorgezeigt haben. Später hieß es dann, er habe seine Zugehörigkeit zum Dienst nur behauptet und sich nicht ausgewiesen. Der vermeintliche Agent ließ sich jedenfalls nicht mehr ermitteln – niemand hatte seine Personalien notiert.

Der Präsident der Bundespolizei-Akademie ordnete daraufhin jedoch an, dass Einstellungsberater künftig bewaffnet sein sollten. Allerdings sei es nicht ratsam, in jedem Bewerber einen Gefährder zu sehen, heißt es in seiner Weisung zur „Eigensicherung im Rahmen der Nachwuchsgewinnung“.

Einstellungsvoraussetzungen gelockert

Die Bundespolizei muss wachsen. 2015 hatte sie für die folgenden Jahre 3000 zusätzliche Stellen zugesagt bekommen, allein 2017 sollten 1970 neue Stellen hinzukommen. Um für Bewerber attraktiv zu sein, lockerte die Behörde ihre Einstellungsvoraussetzungen – und öffnete sich unter anderem für Tätowierte.

Tatsächlich wäre mehr Personal dringend notwendig. In den ersten sieben Monaten des Jahres machten die etwa 40.000 Frauen und Männer bei der Bundespolizei 2,4 Millionen Überstunden, wie der SPIEGEL unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen berichtete. Damals sagte Jörg Radek, der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei: „Dies zeigt, dass die Bundespolizei viel zu wenig Personal hat, um ihre gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen.“

Mehr Bewerber allein helfen aber auch nicht weiter. Das musste das Bundeskriminalamt erfahren. Im vergangenen Jahr machte der Bund Deutscher Kriminalbeamter öffentlich, dass viele Stellen unbesetzt blieben,weil Aspiranten am Rechtschreibtest scheiterten. Deshalb wird diskutiert, das sprachliche Niveau der Tests abzusenken, weil zu wenige Bewerber den bisherigen Anforderungen gewachsen sind.

Andrew Connors

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