Die Lüge vom Krieg

Reich gegen Arm, das ist der wahre und einzige andauernde Weltkrieg

Wie sieht nun der Krieg aus? Wo und wie wird er geführt? Es handelt sich hier um einen schleichenden Prozeß. Schleichende Prozeße, wie z.B. Krebs, werden meist erst dann erkannt, wenn es schon zu spät ist. Die Kriegsführung besteht in der Salamitaktik, über Generationen.

Eine Taktik, die problematische, weil unpopuläre Ziele über einen langen Zeitraum in kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten verwirklicht werden, die für fast jeden nur eine kleine, scheinbar unbedeutende Änderung darstellen, und somit einer Mehrheit vermittelbar sind.

Der Krieg findet in den Haushalten der Arbeitslosen, der Hartz-IV-Empfänger, den Altersarmen und Kranken und in Haushalten statt, wo die Kinder hungrig zur Schule gehen. Er findet dort statt, wo ausgebildete Lehrer Hartz-IV beantragen müssen, er findet dort statt, wo Akademiker ein unbezahltes Praktikum nach dem Anderen absolvieren. Er findet dort statt, wo Arme Abfalleimer nach Pfandflaschen durchsuchen, er findet dort statt, wo Menschen in Containern nach abgelaufenen Lebensmitteln suchen.

1975 wäre dieser Text als düstere Fiktion bezeichnet worden, als Schwarzmalerei. Es ist aber die Realität.

Doch wann fing das an und wie und durch wen?

Dazu möchten wir Prof. Bontrup zu Wort kommen lassen.

Der Krieg der Reichen gegen die Armen

Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt, hat dies so formuliert. Mehrmals. Betrachtet man die Zitate in chronologischer Reihenfolge, fällt etwas auf. Kann es sein, das bei ihm ein Umdenken eingesetzt hat?

2003

„If class warfare is being waged in America, my class is clearly winning.“ – Jahresbrief an die Investoren seines Fonds „Berkshire Hathaway“, 2003, S. 7

(„Wenn in Amerika ein Klassenkampf tobt, ist meine Klasse dabei, ihn zu gewinnen.“)

2005

„It’s class warfare, my class is winning, but they shouldn’t be.“ – Interview mit Lou Dobbs, CNN, 19. Juni 2005

(„Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht“)

2006

”There’s class warfare, all right, […] but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.” – im Interview mit Ben Stein in New York Times, 26. Novemberr 2006

(„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen“)

2011

„My friends and I have been coddled long enough by a billionaire-friendly Congress. It’s time for our government to get serious about shared sacrifice.“ – Stop Coddling the Super-Rich, by Warren E. Buffett, New York Times 14. August 2011

(„Meine Freunde und ich sind lange genug von einem Milliardär-freundlichen Kongress verhätschelt worden“)

Bemerkenswert ist das letzte Zitat. Buffet nennt eine Ursache seines und den seiner Freunde Reichtum. Die Politik. Das ist nicht verwunderlich, sitzen doch im Kongress mittlerweile überwiegend Millionäre.

Zum ersten Mal in der Geschichte der USA sind die meisten Mitglieder des Kongresses Millionäre. Das berichtet das Center for Responsive Politics. Von den 534 Abgeordneten hatten im Jahr 2012 268 ein Vermögen von genau oder mehr als eine Million Dollar

Sie glauben wahrscheinlich alles, was man Ihnen sagt, oder? Das ist ja das schlimme, dass wir nur noch Konsumenten sind – auch Nachrichtenkonsumenten. Konsum-Enten sind passiv, rein empfangend, lassen alles mit sich geschehen. Ich erwähnte ja schon mal, dass schon der Name eine Abscheulichkeit ist: kein Mensch ist nur Konsument, alle produzieren gleichzeitig auch irgendwas – und sei es nur Geselligkeit in schlimmer Stunde, trotzdem haben Wissenschaftler mit Bedacht diesen Begriff eingeführt, er stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Verbraucher“. Jetzt denken Sie mal kurz ein Stück weiter, als was Sie da beschrieben werden. Wie nennt man denn ein Wesen, dass nur wertvolle Ressourcen verbraucht, aber nichts dafür zurückgibt? Einen Parasiten, einen Schmarotzer. Ja – Sie werden in aller Öffentlichkeit von einer breiten Front von Industriellen, Politikern und Wissenschaftlern als Parasit beschimpft – und merken es noch nicht mal. Die sind so raffiniert, so geschickt, handeln so überlegt und voller List, dass sie größte Ungeheuerlichkeiten vor Ihren Augen praktizieren können – und Sie kriegen das gar nicht mit! Schlimm, oder? Dem üblen, häßlichen, fetten, rauchenden, alkoholisierten nichtsnutzigen Verbraucher steht der arische Herrenmensch mit reinem Blut entgegen – äh, nein – der selbstlose, stetig schaffende Leistungsträger, der sich gegen alle Widerstände gegen ein unermesslich großes Heer von Räubern verteidigt, die in seinen Fabriken für viel zu viel Geld arbeiten, für ihre Waren viel zu wenig bezahlen und auch noch die Mieten drücken wollen, um der Obdachlosigkeit zu entkommen.

 

Nun – letzteres – das mit der Obdachlosigkeit – würden die natürlich nicht anführen, wird nur für immer mehr Menschen Fakt … inzwischen in den großen teuren Städten des Südens sogar für Menschen, die einen Vollzeitjob machen (siehe Focus), die würden es eher so sehen, dass sich die faulen Säcke auf den Parkbänken vor Mietzahlungen drücken wollen. Mehr Lohn, weniger Arbeitszeit, sinkende Preise, mehr Urlaub, früher in Rente: die unermessliche Gier der Konsum-Enten ist einfach nur erbärmlich zu nennen und zerstört alle Träume vom edlen Reichtum.

Haben Sie sich mal Gedanken darüber gemacht, wie viele Milliardäre es inzwischen in Deutschland gibt? Aktuell haben wir 187 in Deutschland, 2001 waren es noch 69 (siehe Manager Magazin). Wir folgen hier einem weltweiten Trend: die privaten Vermögen explodieren geradezu (siehe credit-suisse) – zehn Jahre nach der großen Krise ist das weltweite Vermögen um 27 Prozent gestiegen, 280 Billionen beträgt es weltweit, diese Jahr erfolgte eine Steigerung von 16 Billionen, davon fielen neun Billionen den USA zu. Und wissen Sie, wie man so reich wird? Der Trick ist ganz einfach – und hat dafür gesorgt, dass wir in Deutschland inzwischen fast zwei Millionen Millionäre haben. Wer Geld hat – oder es von der Bank geliehen bekommt, wird automatisch reich, kann sich gar nicht dagegen wehren (siehe wiwo):

„Der funktioniert so: Nehmen wir an, Sie könnten sich eine Aktie zu 100 Euro kaufen, die eine sichere Dividende von 10 Euro pro Jahr bezahlt. Setzen Sie für den Kauf nur Eigenkapital ein, erzielen Sie eine Rendite von 10 Prozent. Attraktiver wäre es, sich 100 Euro von der Bank zu leihen und gleich zwei Aktien zu kaufen. Gibt die Bank sich mit fünf Prozent Zinsen zufrieden, gehen 5 Euro an die Bank und 15 Euro bleiben bei Ihnen. Macht 15 Prozent Rendite. In der Praxis dürfte die Bank noch großzügiger sein und sich mit nur 20 Prozent Eigenkapital zufrieden geben. Sie können sich also zu Ihren 100 Euro noch 400 Euro von der Bank leihen und fünf Aktien kaufen. Von den 50 Euro Dividende gingen dann 20 Euro an die Bank (5 Prozent auf 400) und Ihnen blieben 30 Euro! Eine Rendite von dreißig Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital.“

So macht man Millionen. Das ist die „harte Arbeit“ der Leistungsträger, die so lange gut funktioniert, wie der Zinssatz der Banken unter den Wertsteigerungen der Aktien liegt … und die Banken ihnen ungeniert Geld leihen, was sie fast umsonst von dem Herrn Draghi erhalten – worauf der auch noch stolz ist. Wer uns über diese einfachen Zusammenhänge aufklärt, ist Herr Daniel Stelter, der in Wirtschaftsmagazinen vor dem nächsten Megacrash warnt, der noch schlimmer werden wird als der letzte – und mit absoluter Sicherheit kommen wird (siehe Think-beyond the obvious).

Auf der anderen Seite … herrscht der pure Wahnsinn in unseren Städten. Das Land, in dem Millionäre und Milliardäre wachsen wie Pilze, züchtet per Gesetz und Applaus der Elite ein Armenheer heran, das vor aller Augen geschunden, gefoltert, erniedrigt, entwürdigt und ausgebeutet wird. Nun – irgendwo müssen die Massen an Immobilien ja herkommen, an denen man – wie an den Aktien – so gut verdienen kann, da ist es ganz nützlich, wenn rot-grün Gesetze und Verfolgungsbehörden etablieren, die Arbeitslose enteignen – und arbeitslos wird jeder, dessen Arbeitskraft nicht mehr genug Rendite erwirtschaftet. Schauen wir uns mal ein paar aktuelle Beispiele an:

In Dortmund wurden einem Bettler die Hartz-IV-Bezüge pauschal um 90 Euro gekürzt – ein absoluter Willkürakt. Lesen Sie sich das Schicksal von Michael Hansen (50) einfach mal durch – es könnte bald Ihres sein (siehe Ruhrnachrichten). Der Fall kann eine enorme Wucht entwickeln, weil ein Präzedenzfall geschaffen wurde: Betteln wurde vom Jobcenter als berufliche Selbständigkeit definiert (und es war nicht der erste Fall), die Absicht der Schenker, Leid zu mildern, mit Staatsgewalt unterlaufen. Sie können sich also vorstellen, dass das Dortmunder Modell bald Zukunft wird: Arbeitslose erhalten einen massiv reduzierten Regelsatz – und werden dann aufgefordert, sich selbständig zu machen … in der Fußgängerzone. Dadurch kann der Staat dann viel einsparen, was den Diäten der Abgeordneten entgegenkommt, die dann Kapital bilden können, um – Aktien zu kaufen.

Das Bundesverfassungsgericht hat nun ein entscheidendes Urteil gefällt – es ging um die Übernahme von Heizkosten … die nun nicht mehr in voller Höhe übernommen werden müssen (siehe BR). Warum auf der Parkbank frieren, wenn man es auch Zuhause kann?

Aktuell kann man in Gelsenkirchen studieren, wie Jobcenter Existenzen vernichten (siehe gegen-hartz), die schwerkranke Frau muss die Stromkosten für medizinische Geräte in ihrer Wohnung vorstrecken. Die Krankenkasse übernimmt zwar die Kosten, aber das Jobcenter zieht sie wieder ab: sind ja Einnahmen. Ja – das ist Gesetz. Zudem wird das ganze als sozialwidriges Verhalten definiert (ja – da sind wir wieder beim Verbraucher angekommen, das sehen Sie ganz richtig) und ihr werden nochmal … quasi als Strafe fürs Kranksein … 30 Prozent abgezogen. Widerlich, oder?

Ebenso widerlich: die kurze Meldung, dass sich Arbeitslose ihre Unterstützung bald vom Supermarkt auszahlen lassen können. Die Notfallautomaten, die die Bundesgentur bislang dafür bereitstehen hatte, werden abgebaut und verschrottet (siehe Süddeutsche): der erste Schritt in eine Richtung, die den Konzernen der Reichen die Aufgaben des Staates zufallen läßt, der sich dadurch langsam auflöst – aus Kostengründen. Bei Aldi Wohngeld beantragen, bei Lidl an der Kasse Hochzeit und Scheidung kaufen, bei Rewe die Rente beantragen, Kindergeld von Toy´s ´re us wird gleich in Ware ausbezahlt: alles wird denkbar im Kampf gegen den gierigen Verbraucher, den keiner mehr braucht noch irgendjemand will.

Wie üblich kam der ganze Mist aus den USA – wo im gleichen Jahr, als Hartz IV in Deutschland eingeführt wurde und der Krieg gegen die Armen begann eine ganz besondere Botschaft die Runde machte (siehe Süddeutsche):

„Die neue Ordnung hat bereits ihr Etikett. Plutonomy hat ein Analystenteam der Citigroup diese „Wirtschaft der Reichen“ getauft, in der das bestgestellte Hundertstel jedes Jahr so viel verdient wie die unteren sechzig Prozent der Gesellschaft. Auf diese Oberschicht, die zugleich 90 Prozent allen Vermögens in den USA kontrolliere, komme es allein an, rieten die Banker schon 2005. Der Rest, die 99 Prozent, sei Nebensache: „Wirtschaftliches Wachstum wird angetrieben und weitgehend konsumiert von den vermögenden Wenigen“, schwärmte Ajay Kapur, damals Chefstratege der Citigroup, „die Erde wird getragen von den muskulösen Armen dieser Unternehmens-Plutokraten“, die sich geschickt, kreativ und oft auf Pump technologischen Wandel und Globalisierung zu Nutze machten.“

Und der Rest: sind die Verbraucher. Und einer jener führenden Plutokraten hat dann auch gleich eine Losung für die Zukunft ausgegeben, die Angst machen darf; der Kabarettist Georg Schramm erläutert uns das (siehe Merkur):

„Das Grundübel ist nach Warren Buffett (amerikanischer Multimilliardär, Red.) der Krieg Reich gegen Arm. Und das wird nicht miterwähnt, nicht nur von der AfD nicht. Die suchen nur einen Sündenbock – und das sind eben die Flüchtlinge. Reich und Arm sind ja keine Kategorien mehr, die man auf Länder anwenden könnte. Die wirklich Reichen haben sich ja längst von den Staaten gelöst. Es ist doch eine Posse, dass Apple 13 Milliarden Euro Steuern an Irland zahlen soll, die Iren das Geld aber gar nicht haben wollen. Das zeigt doch, wo die Macht tatsächlich sitzt. Darüber wird aber nicht geredet, ebenso wenig über die wahren Gründe der weltweiten Flüchtlingsströme. Das gehört aber zwingend dazu.“

Warren Buffett? Nun – der macht sein Geld mit Aktien (wie das geht – nochmal oben den Herrn Stelter lesen, ist ganz einfach – könnten Sie auch, wenn Ihnen jemand genug Geld geben würde). Man könnte sich natürlich auch mal die Frage stellen … warum unser Staat als Vertreter der Bürgergemeinschaft nicht selbst mal mit Aktien handelt und davon den Sozialstaat bezahlt, dank Steuern könnten wir ja auf dem Markt einiges bewegen: nur – für uns ist dieser Markt nicht gedacht, wir sind ja – Sie wissen es – die Kaste der schnatternden Konsum-Enten. Aufgefallen ist Buffet auch dadurch, dass er von Minderheiten höhere Preise nimmt (siehe buzzfeed) – aber eher noch, dass er die Ungleichheit zwischen Arm und Reich anprangert … obwohl er selbst äußerst bescheiden lebt (siehe Taz).

Seine Worte sind grundlegend für den Mythos des Krieges Reich gegen Arm, der quasi das Gegenteil der russischen Revolution darstellt – und vielleicht ja auch wirklich später so in den Geschichtsbüchern stehen wird: als Revolution der Plutonomy, die 7 Milliarden Bürger als biologischen Sondermüll ansieht, der entsorgt gehört, bevor er den ganzen Planeten auffrisst. Viele kritische Bürger stimmen dem ja auch zu, wir wissen doch alle inzwischen, wie schlecht der Mensch ist – und das er auf den Müllhaufen der Evolution landen sollte. Wir haben die Kunde von dem „Verbraucher“ völlig akzeptiert – und kommen logisch konsequent zu der einzig möglichen Schlussfolgerung: der völligen Ausrottung des Menschengeschlechtes! Haben Sie sicher schon oft gehört – vor allem Tierschützer sind da gelegentlich sehr deutlich. Den einfachen Weg jedoch, bei sich selbst mit der Ausrottung erstmal anzufangen … den begeht nie jemand. Seltsam, oder?

Nur … es ist ja nicht der Krieg Reich gegen Arm, der den jetzigen Weltkrieg bestimmt. Der Mythos vom Krieg Reich gegen Arm ist nur einer, der seinen Zweck erfüllt: die Menschheit zu spalten … und zwar zu einem Zeitpunkt, wo es am ungünstigsten für die Armen ist. Es gibt noch andere Mythen, die uns spalten sollen und auch spalten, andere Kriege – wie den Mann gegen Frau, Fleischfresser gegen Veganer, blonde Germanen gegen dunkle Horden aus dem Morgenland, edle Flüchtlinge gegen den rassistischen Mob, aufrechte Gutmenschen gegen die rechte Brut, Prediger der einzigen Wahrheit gegen Esoteriker, Heilpraktiker und Homöopathen, aufrechte Schwule gegen unnatürliche Homophobe oder stramme Genderisten gegen jene Idioten, die glauben, es gäbe nur zwei Geschlechter auf der Welt – anstatt 60, der hehre stolze Arbeiter von Siemens (bevor die Werkschließung bekannt geworden ist) gegen den faulen Hartzer. Wir können diese Liste endlos weiter führen (der Kampf des nordischen Herrenmenschen aus USA und Großbritannien gegen den bösen Slaven: also Nato gegen Russland – sollten wir schon noch nennen, weil er ja schon seit Jahrhunderten läuft) – doch ich will diese Gedankengang nicht künstlich aufblähen.

Halten wir für einen Moment inne.

Vergessen wir kurz mal, auf welche Seiten der tausend Kriege wir selbst als historische Individuen überall eingebettet wurden, ohne gefragt zu werden.

Später einmal … können wir uns fragen, warum wir persönlich eigentlich immer wieder in diese Kriege ziehen, die wir selber nicht angefangen haben – und nie angefangen hätten.

Jetzt wollen wir uns fragen: was vergessen wir eigentlich, wenn wir diesen ganzen Kreuzzügen folgen?

Die Antwort ist gar nicht so schwer zu finden: auf welcher Seite wir in der Welt der tausend Kriege auch meinen kämpfen zu müssen (eine Welt, die uns vielfältig als vernünftigen Wesen gebietet, besser zu Hause auf dem Sofa zu bleiben), wir haben mit allen Feinden eins gemeinsam – es sind alles Menschen. Alles – unsere Geschwister. Kleine Kinder kennen das noch – dort findet man keine Gier („alles Spielzeug soll mir gehören“ ist denen viel zu langweilig), keinen Rassismus („der hat eine viel zu dunkle Haut für Lego!“), keine Vorurteile („Arme sind zu doof für Monopoly“) … für das Spiel brauchen wir ein Miteinander, sonst sitzt nachher jeder mit seinem eigenen Ball auf dem Bolzplatz, behütet ihn wie seinen Aufapfel und langweilt sich zu Tode. Mitleid – die zentrale Eigenschaft des Menschen, die ihm seine Vernuft gebietet (Kant) oder Sinn seiner ganzen Existenz ist (Schopenhauer, Buddhismus, Christentum) kommt automatisch im Alter von fünf Jahren (siehe Tagesspiegel) – auf einen wissenschaftlichen Diskurs zu diesem Thema lasse ich mich gerne gesondert ein. Ich möchte mich auch ganz vehement gegen jene moderne Wortakrobatik wenden, die aus dem Begriff „Mitleid“ das viel passivere „Mitgefühl“ macht – und es so auf eine Stufe mit Blähungen, Depressionen und selbstgerechtem Besorgtsein stellt und es so politisch völlig entwertet (und Nitzsche folgt, der meinte, dass durch Mitleid das Leid nur ansteckend würde)  – doch auch dazu später mal mehr.

Und was steckt nun hinter den Bestrebungen der „Moderne“ – oder auch „Postmoderne“?

„Durch ihre verschiedenen Praktiken und „Diskurse“ erreichen viele ihrer Sekten ihre Ziele, die sich, wie bereits erwähnt, mit der Agenda der Macht decken. Diese sind: den Dissenz fragmentieren, die Debatte in Frage zu stellen, zu polemisieren und gegensätzliche Ansichten zu zensieren, ein universelles Mitgefühl zu diskreditieren, die Macht der US-Konzerne durch den Diskurs der Diversität im Sinne des Marketings zu fördern und das Verständnis für die politische Dynamik durch die unaufhörliche Anwendung von Fouccaults „Theorie“ der Macht zunichte zu machen“ (siehe Preparata, Ideologie der Tyrannei, Dunker und Humblot, Berlin 2015, Seite 157).

Welche Sekten?

Nun – alle politischen Bewegungen, die sich nur um ihre eigenen Interessen kümmern – wir haben oben ein paar von ihnen zitiert. Ihre Aufgabe – wegen der sie von vielen mächtigen Menschen gefördert werden: die Gesellschaft zu spalten, jede Bewegung, die gegen die Macht gerichtet ist („Macht“ im wahrsten Sinne des Wortes hier verstanden als der „alleinige Gott“, siehe Preparata, a.a.O., Seite 156), im Keim zu ersticken, um weltweit eine Kultur zu fördern, die den Gegenpol zum Mitleid, zum „universellen Mitgefühl“, einnimmt.

Was ist eigentlich das Gegenteil von Mitleid?

Kommen wir nicht sofort drauf – und wenn wir von Mitgefühl reden, finden wir den Pfad erst recht nicht. Doch holen wir uns kurz Hilfe (siehe: Wiktionary)

„Gefühl der Anteilnahme, des Bedauerns gegenüber Menschen, die sich in einer unglücklichen Situation oder Verfassung befinden“

Also wäre das Gegenteil?

Das Gefühl der Freude über das Leid des anderen.

Wie nennen wir das?

Sadismus – den wir im Alltag oft erleben … wenn Sie Beispiele dafür brauchen: einfach mal „Comedy“ schauen, dort werden Sie auf Sadismus getrimmt. Oder Straßenverkehr. Schule – auch ein schöner Ort dafür. Oder Bundeswehr, die alte Schule der Nation. Oder gehen Sie mal in den Bundestag, lauschen Sie den Zurufen bei Debatten – egal welche Partei sie gerade meinen für sich in Anspruch nehmen zu müssen. Lauschen Sie der Bildzeitung, wenn die über Arbeitslose herziehen – oder Arbeitslosen, wenn die über Reiche wettern. Während alle ausgestossenen Gruppen an den Rändern der Gesellschaft um mehr Macht kämpfen und ihre Feinde dämonisieren (und sich über jedes Leid des Feindes zu Tode freuen und so dem Sadismus huldigen – ohne es groß zu bemerken), breitet sich eine neue Kultur weltweit aus … eher unbemerkt im Großen und Ganzen, aber grauenvoll in den Ergebnissen.

Sadismus? Wo kommt dieses Wort eigentlich her?

Nun – direkt vom Marquis de Sade, Lehrvater von Georges Battailie, Lehrvater von … Fouccault. Ja – darum geht es Preparata in seinem Werk „Ideologie der Tyrannei“, er legt dar, was das Herzstück jener Ideologie ist: Sadismus. Und schon wissen wir, warum „Pädophilie“ (auch so ein Kampfwort des Sadimus – von Liebe … Philie … dürfte da nicht viel zu finden sein) in höheren Kreisen unverzichtbar ist. Wir wissen, warum Stanley Kubrik in seiner letzten Botschaft an die Menschheit („Eyes wide shut“) nichts geändert haben wollte (wir dürfen dort über weite Strecken einen menschenverachtenden Kult der Plutonomy in seinem Freizeittreiben beobachten). Und wir wissen, warum sich die Weltgeschichte so erstaunlich unvernünftig entwickelt, „Sozialromantik“ zum Kampfbegriff wurde und das Leid trotz aller Demokratie nicht weniger, sondern mehr wird: es gibt Interessengemeinschaften, die ihre Gelüste zum politischen Programm gemacht haben – viele darunter gleichen dem Marquis de Sade, der vor allem an seiner Sterblichkeit verzweifelte und sein eigenes Leid anderen zuteil lassen wollte. Jetzt wird auch klar, warum andere Sekten (denke hier an GWUP und Psiram – um nur zwei zu nennen), mit aller verbalen Gewalt gegen jene vorgehen, die ein helleres Bild von der Welt zeichnen: dort, wo der Tod nur Übergang in andere Gefilde und nicht Vernichtung weltlicher Macht ist, taugt er nicht mehr als Motor sadistischer Lebensphilosophie.

Harter Stoff heute, oder?

Lassen Sie das ruhig mal sacken. Ich erzähle Ihnen derweil die Geschichte vom dem demenzkranken 85-jährigen, der ein Bußgeld bekommen hatte, weil er auf einer Bank im Düsseldorfer Hauptbahnhof kurz ruhte (siehe mz.web): in einer Kultur des Mitleids wäre niemand auf eine solche Idee gekommen – in einer Kultur des Sadimus wird das jedoch Alltag.

Zu schlimme Wahrheit über den wirklichen Weltkrieg, der gerade läuft – und unabhängig von jeder Staatsideologie in jedem beliebigen sozialen System Fuss fasst?

Sie sehen das falsch. Es ist wunderbar – denn nun … kann jeder wissen, was zu tun ist. Lassen Sie sich bei jeder Ihrer Entscheidungen nicht von der Moderne leiten (oder: Postmoderne), sondern von ihrem urmenschlichem Gefühl: dem Mitleid. Regen Sie Ihre Umwelt an – dauernd und beständig – ebenso zu verfahren. In einer Welt voller Mitleid … gibt es keine Armut mehr, keine Angst – und nur noch selten Schmerz. In einer Welt voller Sadismus jedoch … werden wir die Hölle auf Erden erleben, schlimmer, als es sich je ein katholischer Priester des Mitttelalters hätte ausmalen können. Auschwitz – war da nur ein leichtes, sanftes Vorbeben gegen.

Wir leben aktuell in hochbrisanten Zeiten, wo zwei große Ideen um die Vorherrschaft in der politischen Welt ringen (ach: wie gerne würde ich solch einen Satz mal in der Tagesschau hören), wir haben wirlich einen Kampf der Kulturen – doch er ist anders als der, den man uns einreden will, um uns gegeneinander aufzuhetzen.

Es ist der Kampf des urmenschlichen Mitleids – gegen den antimenschlichen Sadismus.

Die gute Nachricht: wir werden ihn auf jeden Fall gewinnen – weil sich antimenschliche Gedanken nicht ewig im System Mensch festsetzen können, sie werden als lebensfeindliche Fremdkörper irgendwann automatisch herausgeworfen.

Die schlechte Nachricht: es kann dauern – und je länger wir zögern, eine gemeinsame Front gegen die sadistische Internationale aufzubauen, umso mehr Opfer wird es geben.

Und falls Sie noch Motivation brauchen: schauen Sie in den Spiegel und sehen Sie, was Sie in „deren“ Augen sind – ein parasitärer Verbraucher.

Sie wissen, was man letztendlich mit Parasiten und Schmarotzern machen muss – nicht wahr?

Gnadenlos gründlich ausmerzen.

Quelle:

Von 1. Dezember 2017

Andrew Connors

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